Allgemein, Erfahrungsberichte, Meinung
Schreibe einen Kommentar

Sharenting: Babybilder bei Facebook & Co.

st-peter-ording-2014_2014-05-20_16-13-52

Wenn man langsam Richtung 30 geht oder die Marke bereits passiert hat, dann wird man auf Facebook eine Veränderung feststellen. Oder sagen wir: auf den geteilten Bildern sind weniger exotische Reiseziele oder exotische Mädels zu sehen. Es wird baby- und kinderlastiger. Ein Problem habe ich damit per se nicht. In den fast ersten 10 Wochen seit der Geburt unseres Babys wurden gefühlte 3.000 Fotos geschossen. Warum auch nicht? Ich kann in manchen Momenten selbst nicht fassen wie rasend schnell sich der Kleine entwickelt. Allerdings gibt es von dem Kleinen kein einziges Foto bei Facebook oder Instagram, obwohl ich selbst beide Dienste nutze. Das Stichwort hier ist „Sharenting“ – also die Tatsache übermäßig Texte, Bilder oder Videos des Nachwuchses zu teilen.

Laut einer Studie haben in Deutschland 67% der befragten Mütter schon einmal Bilder von ihren Kindern ins Netz gestellt. Bei 27% der Mütter fängt das übrigens schon in der Schwangerschaft an: mit dem Teilen des Ultraschallbildes. Insgesamt bildet Deutschland damit das Schlusslicht. In Brasilien ist das Phänomen, wenn man es denn so nennen mag, noch deutlich weiter verbreitet. Unfassbare 94% der Mütter haben dort bereits Bilder im Internet geteilt. Wobei mich hier tatsächlich mal der Studienaufbau und die Grundgesamtheit interessieren würden. Ein imposanter Wert ist das aber allemal.

Gründe für das Sharenting sind übrigens recht eingängig: man will die Familie teilhaben lassen und mit dem Nachwuchs angeben. Gerade in Bezug auf den letztgenannten Grund könnte man übrigens einige der geposteten Bilder durchaus hinterfragen. Aber lassen wir das an dieser Stelle.

Was das Teilen von Bildern oder Videos angeht, habe ich auf jeden Fall eine persönliche Meinung: ich möchte nicht, dass mein Kind ab der Geburt einen digitalen Fußabdruck hinterlässt. Punkt. Das fällt für mich dann tatsächlich unter den oft strapazierten Begriff der Privatsphäre. Um da noch deutlicher zu werden: Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Solange sie noch nicht alt genug sind, dieses Recht selbst wahrzunehmen, sollte man seinen Wunsch, jeden Aspekt des Aufwachsens des Kindes zu teilen, hinterfragen. Will man dieses Video oder Foto mit seinem 300+ Facebook „Freunden“ teilen? Glaubst du, dass deine 300+ Facebook „Freunde“ das auch sehen möchten? Und in Anlehnung an Kants kategorischen Imperativ: Wie würdest du es finden von deinen Freunden in einer ähnlichen Frequenz entsprechende Bilder vorgelegt zu bekommen? Den Artikel von Laura zu diesem Thema fand ich ganz interessant.

Ich werde zwar den ein oder anderen Text schreiben, in dem mein Kleine eine Rolle spielen wird – aber er wird in Internet anonym bleiben. Jedenfalls bis er alt genug ist diesen Umstand selbst zu ändern. Nach kurzer Überlegung wird vermutlich früh genug der Fall sein. Klar möchte ich mit Freunden und meiner Familie viele Momente teilen. Aber dann sollte man doch bedenken, dass man über ein Facebook Posting  zumeist einen privaten Moment mit einem größeren Publikum teilt, das nicht aus den engsten Freunden und Familienmitgliedern bestehen muss (jedenfalls sofern man keine „Listen“ angelegt hat und man die Privatsphäreneinstellungen nicht im Auge hat – was leider viele Leute im meinem Facebook Bekanntenkreis scheinbar nicht haben) . Und wenn ich einen Blick in mein Fotoalbum werfe, dann muss ich glaube ich froh sein, dass es Facebook nicht schon seit 30 Jahren gibt.

Wie kann man also Fotos von den Kindern teilen?

Per E-Mail? Deutlich zu aufwendig finde ich persönlich. Wir nutzen den dawawas.de – ein Dienst bei dem man Fotoalben erstellen und teilen kann. Mit der mobilen App kann man einfach Bilder hochladen. Sitz des Unternehmens ist Köln und die Datenschutzbestimmungen entsprechen den hiesigen Standards.

Einen sehr differenzierten und vernünftigen Blick auf das Thema hat meine Meinung nach auch Andreas von Papa-Online.com. In seinem Post gibt es Tipps wie man sein Facebook Profil richtig einstellt, um die Kinderbilder nicht öffentlich zu teilen – und letztlich rückt er die Motivation des Bilderteilens nochmal in den Fokus der Diskussion:

Es kommt nämlich darauf an ob Du damit ein Ziel verfolgst oder ob Du einfach nur Dich selbst profilieren willst.

Es kommt auch darauf an wer das Bild sehen darf und wer es vielleicht nicht sehen soll und ob Du entsprechende Filtermöglichkeiten von Facebook nutzt.

Wenn Du Dir vor dem hochladen eines Fotos darüber Gedanken gemacht und für Dich eine Antwort gefunden hast, dann finde ich es durchaus OK Kinderfotos auf Facebook zu posten.

Dem kann man wenig hinzufügen. Wer den vollen Artikel lesen möchte, findet ihn hier.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *